Gemeindeleben
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„950 Jahre Inselstadt Ratzeburg“ - St.Georgsberg - einst und heute
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Gewaltpräventives Projekt des Diakonischen Werkes - „Mach mit“ beim Peter
Hermann Clasen verstorben
Hermann Clasen - unser langjähriger Organist verstarb im Oktober.
Wenn er im nächsten Augenblick um die Ecke biegen würde – jedem auf dem
Georgsberg wäre das Bild vertraut. Solange es die Temperaturen zuließen:
In kurzen Hosen, den Leinenbeutel stets umgehängt – so kannte man ihn.
Ein paar freundliche Worte zur Begrüßung, und dann wurde Hermann gleich
„beruflich“, und die neusten Informationen über die umliegenden
Gemeinden wurden ausgetauscht.
Ja, er fehlt – im St. Georgsberger Stadtbild, auf den Orgelbänken der
Umgebung und in den Herzen vieler Ratzeburger: Hermann Clasen verstarb
am 12. 10. 2011 plötzlich und unerwartet. Kein Nachruf soll es hier sein
– das gab es ausführlich an gewohnter Stelle – aber ein paar Gedanken zu
meinem Vorgänger, der so viele Jahre das Kirchenmusikeramt in unserer
Kirche ausgefüllt hat. Als ich 1999 meine Stelle antrat, hätte ich mir
keinen besseren Unterstützer wünschen können. Wenige Kirchenmusiker
finden ein derart geordnetes Notenarchiv vor, wenige erhalten von ihrem
Vorgänger so uneigennützige Rückenstärkung für den Neuanfang!
Jeder, der mit Hermann näher zu tun hatte, war beeindruckt von seinem
phänomenalen Gedächtnis. Als großer Freund von Statistiken und
Chronologien hatte er nicht nur Namen, sondern auch Daten und
Konzertprogramme seiner Amtszeit stets präsent. Seine Gemeinde war
wirklich „seine“ Gemeinde: Wie oft hörte er z.B. die Namen von
Brautleuten und erzählte dann von deren Konfirmation oder gar Taufen, an
die er sich genau erinnerte!
Die Pflege unserer Becker-Orgel, deren Bau er in den 70er Jahren
maßgeblich vorangetrieben hatte, lag ihm bis zuletzt sehr am Herzen. War
es ein Zufall? Genau 14 Tage vor seinem Tod übergab er mir seinen
privaten Orgelschlüssel, der zuvor 36 Jahre an seinem Schlüsselbund
gehangen hatte.
Dass er fehlt, spüren die vielen Gemeinden, in denen er auch nach der
Pensionierung bei Amtshandlungen Orgel spielte. In unseren Gesprächen
beklagte er oft das „Viel-Zu-Viel“ dieser Tätigkeit - in der
Beschreibung seiner vielen Einsätze konnte er hartnäckig sein...
Wir haben einen wirklich freundlichen Menschen verloren, der zwar
kräftig über die Kirche schimpfen konnte, in seinem Einsatz für die
Kirchenmusik aber nicht müde wurde. Ich bin dankbar für diesen Einsatz
und für die Spuren, die Hermann Clasen in unserer Gemeinde hinterlassen
hat, und weiß mich darin mit vielen St. Georgsbergern verbunden.
Ihre Ulrike Meyer-Borghardt é
„950 Jahre Inselstadt Ratzeburg“
St.Georgsberg - einst und heute
Unter diesem Titel veröffentlichte im September 1962 der damalige
St.Georgsberger Pastor Ernst Gleimann einen Artikel in der
Lauenburgischen Heimat über die Anfänge von St. Georgsberg als Stadtteil
Ratzeburgs. Daraus zitieren wir hier den ersten Teil:
„Es war einmal ein reizendes Dorfkind, das auf dem hohen Westufer des
Ratzeburger Sees seine Heimat hatte. Es hieß St. Georgsberg. Eines Tages
hielt ein Stadtherr aus der Nachbarschaft, guter alter Familie
entstammend, um seine Hand an. Sein Name war Ratzeburg. Die
besagte Schöne vom Lande hatte zwar zunächst einige Bedenken, ihm ihr
Jawort zu geben, zumal sie etliche Jahre älter war als der Bewerber,
willigte aber endlich doch ein, seine Frau zu werden. Das war Anno
Domini 1928. – Heute, nach 34 Jahren, kann man sagen, daß diese Ehe
recht glücklich geworden ist, obgleich es auch in der Küche dieser
Eheleute an „Rauch“ nicht gefehlt hat.
Prosaischer formuliert: im Jahre 1928 hörte St. Georgsberg auf, eine
eigene Gemeinde zu sein und wurde ein Stadtteil von Ratzeburg. Es
übergab der Stadt, die zu der Zeit 4940 Einwohner zählte, 641 neue
Bürger.
Zahlen sprechen oft eine deutliche Sprache: nach der Zählung vom
31.12.1960 hatte die Stadt 11305 Einwohner, davon entfielen auf den
Stadtteil St. Georgsberg 3100. Durch Wohnungsneubauten im Gebiet
zwischen der Bahnhofsallee und dem Albsfelder Weg dürften im Jahr 1961
schätzungsweise noch etwa 200 weitere Bürger zugezogen sein. Das
schlanke Dorfkind von einst hat sich also – wie es ja auch sonst nicht
eben selten ist – im Laufe der Ehe zu einer stattlichen Stadtfrau
entwickelt.
Die Eingemeindung brachte allerlei Veränderungen mit sich. So gab die
mehrere Jahrhunderte alte, neben der Kirche gelegene Volksschule ihr
Eigenleben auf. Ihre Lehrer waren immer zugleich auch Küster, Kantoren
und Organisten an St. Georg gewesen. Die Nutzung des Küsterlandes
ermöglichte es ihnen, sich Kühe und Kleinvieh zu halten. In die
einklassige Volksschule waren außer den Kindern „vom Berge“ auch die von
Einhaus, Neuvorwerk, Ravenskamp und Fredeburg eingeschult.
Es bedarf kaum der Feststellung, dass der ehemalige Kirchort seinen
Namen von dem Schutzpatron der Kirche auf dem Berge, dem „St. Georg“,
dem ritterlichen Drachentöter, erhielt. Ein Dorf im eigentlichen Sinne
ist St. Georgsberg nie gewesen, das zugehörige Dorf war das im
Zehntregister 1230 genannte siccum allodium mit 9 ½ Hufen. Dieses Dorf
war im 13. Jahrhundert durch Schenkung des Herzogs und durch Kauf in den
Besitz des Domkapitels gelangt, ist aber seit 1362 wieder in der Hand
des Herzogs, der es wohl bald gelegt bzw. zum Vorwerk gemacht haben
wird, heute ist es die Domäne Neuvorwerk…..“ é
Der Rückblick
Adventsbasar
Bild
links:
Ein Bild aus „alten Tagen“
Adventsbasar 2001 – noch im alten Gemeindehaus
Eine schöne Tradition: Der Adventsbasar des Handarbeitskreises im
Gemeindehaus „Altes Pastorat“. Wie in jedem Jahr fand er am Samstag vor
dem 1. Advent statt. Und wie in jedem Jahr stellten alle
Mitarbeiterinnen die bange Frage:
Wie wird der Basar angenommen?
Werden viele oder wenige Leute kommen?
Sind manche übersättigt von allen Angeboten, die es bereits lange vor
der Adventszeit gab?
Werden wir wieder für alle unsere guten Vorhaben unterstützt?
Es gibt doch immer etwas Brauchbares zu kaufen! Auf jeden Fall selbst
gekochte Marmelade! Natürlich ließe sich noch viel mehr aufzählen. Ganz
gewiss sind Kaffee und Torte nicht zu verachten oder auch die
liebevollen Angebote der Diakonie im Eingangsbereich.
Danke den vielen Getreuen und allen, die uns erstmalig besuchten. Danke
den zahlreichen Wohlgesonnenen, die während des ganzen Jahres bei uns
gekauft haben oder auch Bestellungen aufgegeben haben zugunsten der
Spendenkasse.
Danke den fleißigen Händen, die dazu beigetragen haben, dass der schöne
Basar wieder möglich war und hoffentlich mit Ihrer Hilfe wieder
stattfinden kann. Was wären wir ohne Mitstreiterinnen und ohne Käufer?
Die Einnahme am Basartag betrug 2.783 €, und die Jahreseinnahme des
Handarbeitskreises erbrachte einen Betrag von 10.867 €, der Anfang
Dezember als Spenden in größeren und kleineren Summen an Direktadressen
in der Nähe und in der Ferne überwiesen wurde:
· Hospiz Rickers-Kock-Haus in Lübeck
· Aktion „Sterntaler“ Ratzeburg
· Begegnungsstätte Gleis 21 Ratzeburg
· Kirchenmusik St. Georgsberg
· Don-Bosco-Haus und Lebenshilfe Mölln
· Kinderhospiz Schleswig-Holstein „Die Muschel“
· Caritas Baby Hospital in Bethlehem
· Patenkinder und Martha-Büttner-Haus in Indien
· Kinderstation Braun-Memorial-Hospital in Papua Neuguinea
· Deutsche in Siebenbürgen / Rumänien.
Möge unsere Arbeit im Jahre 2012 gesegnet sein!
Ihre Erika Schoof é
Gewaltpräventives Projekt des Diakonischen Werkes
„Mach mit“ beim Peter
Bild:
Peter Linnenkohl, Projektleiter von „Mach mit“ hat
sein Büro in der „Herberge zur Heimat“ in der Schrangenstraße in
Ratzeburg.
Mit dem auf drei Jahre angelegten
gewaltpräventiven Projekt hat das Diakonische Werk Herzogtum Lauenburg
erneut finanzielle Mittel vom Bund für die sozialpädagogische Arbeit mit
Jugendlichen und jungen Erwachsenen erhalten.
„Mach mit“ hat seinen Schwerpunkt in aufsuchender und interkultureller
Arbeit mit Zwölf- bis 27-Jährigen und ist nach „Gleis 21“ bereits das
zweite Bundesprojekt, das der Geschäftsführer der Diakonie Heiko Steiner
in die Kreisstadt geholt hat.
„Das Projekt wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge auf drei
Jahre mit 160.000 Euro gefördert. Mit zusätzlichen kirchlichen
Eigenmitteln der Diakonie sowie Drittmitteln ist es uns möglich, eine
Vollzeitstelle zu schaffen“, erläutert Heiko Steiner.
Seit dem 1. November erfährt die bereits bestehende und hervorragend
vernetzte Jugendarbeit in Ratzeburg nun mit dem 44-jährigen Diakon Peter
Linnenkohl und dem „Mach mit“-Projekt eine weitere Bereicherung. Noch in
den Startlöchern, aber schon von den Jugendlichen mit einem Spitznamen
belegt, sieht der „Mach mit-Peter“ sein Handlungsfeld in der Gewalt- und
Kriminalprävention junger Menschen, die auf Grund ihres familiären,
sozialen Umfelds oder ihrer Herkunft beziehungsweise ihrer ethnischen
Zugehörigkeit benachteiligt sind.
Durch aufsuchende Arbeit an den bestehenden kommunikativen Treffpunkten
nimmt Peter Linnenkohl Kontakt zu den jungen Leuten auf, baut
Beziehungen auf, macht auf die bereits bestehenden Angebote aufmerksam
und motiviert zum Mitmachen.
„Ich möchte Vermittler zwischen Jugendlichen und Fachdiensten sein.
Möchte das Angebot ergänzen. Wichtig ist mir, die interkulturelle Angst
vor dem Fremden zu nehmen. Denn dadurch entstehen oft
Kommunikationsprobleme“, fasst der Diakon den Schwerpunkt seiner
Aufgabenbereiche zusammen.
Bild:
„Mach mit“-Peter Linnenkohl, Stephanie Petersen vom
Geis 21 und Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Heiko Steiner freuen
sich über die Bundesmittel.
Mittels Workshops, Aufklärungs- und
Informationsveranstaltungen, Gruppenangeboten und Events will er
Begegnungen zwischen Einheimischen und Jugendlichen mit
Migrationshintergrund schaffen, junge Menschen fördern und fordern.
Im Fokus steht beim „Mach mit-Peter“ auch die Jungenarbeit: „In
Gruppenarbeit und Projekten werde ich Jungen Raum geben, sich über ihre
Rolle als Mann klar zu werden.“
Mit Musik, Hip-Hop und Percussion möchte der Neue der Diakonie die
jungen Leute ins Boot holen. Wichtig sind ihm dabei aber auch die
Interessen und Ressourcen der jungen Ratzeburger. Bei seiner Arbeit
gegen jeglichen Extremismus ist es ihm ebenfalls wichtig, das Ehrenamt
aufzubauen sowie auch Erwachsene in die Pflicht zu nehmen.
Kooperationspartner werden Schulen, Polizei, Jugendamt, Kirchengemeinden
und weitere Institutionen sein.
Stephanie Petersen, Leiterin des „Gleis 21“, freut sich, mit dem neuen
Kollegen der Kinder- und Jugendarbeit weiteren Raum anbieten zu können,
frühzeitig interkulturelle Kompetenzen zu stärken.
Sein Büro hat Peter Linnenkohl in der Schrangenstraße in der „Herberge
zur Heimat“ und freut sich darauf, vielen jungen Ratzeburgern hier nicht
nur Anlaufstelle zu sein, sondern auch Heimat bieten zu dürfen.
Petra Schörling

