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Der Altar
Am Anfang: Opferaltäre
Schon auf den ersten Seiten der Bibel ist von Altären die Rede. Noah
baute nach überstandener Sintflut Gott aus Dankbarkeit einen Altar.
Abraham errichtete Gott verschiedene Altäre, einen für die Opferung
seines Sohnes Isaak.
Im Alten Testament wird immer wieder erzählt, dass man Altäre baute, um
Gott zu opfern aus Dankbarkeit oder um ihn um Vergebung zu bitten. Beim
Opfern wurden Pflanzen oder Tiere verbrannt, damit Gott sich an ihrem
Geruch erfreue. Das hebräische Wort „Altar“ bedeutet „Schlachtstätte“.
Darum wurden Altäre meist aus Stein errichtet.
In christlichen Kirchen wurden die Altäre zu Abendmahlstischen
Seit Jesus sich selbst als Lamm Gottes am Kreuz für die Sünden der
Menschen geopfert hatte, waren Sühnopfer für Gott zur Vergebung der
Sünden nicht mehr nötig. So wurden die Altäre in den christlichen
Kirchen zu Abendmahlstischen. Hier wird die Gemeinde an den Tisch des
Herrn eingeladen, um in Brot und Wein in Gemeinschaft mit ihm und
miteinander Gottes Vergebung zu erfahren.
Um dies den Gläubigen anschaulich zu machen, wurde es im Laufe der
Jahrhunderte üblich, die Heilsgeschichte über dem Altar bildhaft
darzustellen. Das Opfer Jesu am Kreuz fehlt auf kaum einem christlichen
Altar. Seit der Reformation gibt es Altarbibeln als Zeichen der
Gleichrangigkeit von Sakrament und Wortverkündigung.
Der Altar in St. Georg auf dem Berge: der Steintisch
Der St. Georgsberger Altar besteht aus zwei Teilen: dem Steintisch
und dem hölzernen Aufbau. Der Steintisch ist sehr viel älter. Wegen der
in die Steinplatte eingeritzten Weihekreuze rechnet man ihn der
frühesten Zeit der Kirche zu. Unter ihm hat der gesteinigte Ansverus
sein erstes Grab gefunden.
Reliquien von Ansverus oder vom Heiligen
Georg, dem die Kirche geweiht wurde, sind im Altar nicht entdeckt
worden. Früher war es durchaus üblich, oft winzig kleine Körperteile
eines Heiligen, sogenannte Reliquien, in einen Altar einzubauen.
Paramente
Schon seit der Reformationszeit hat man Altäre mit Textilien
geschmückt.
Bild
links: Ältestes Parament in der liturgischen Farbe Rot
Dazu gehörte die weiße Altardecke als Bestandteil des auch sonst mit
Kerzen und Blumen festlich gedeckten Abendmahlstisches. Vor den Altar
hängte man Tücher, die in ihren Farben und Symbolen das Kirchenjahr und
die christlichen Feste bildlich darstellen.
Das älteste erhaltene Parament der Kirche St. Georg auf dem Berge stammt
aus dem Jahre 1771. Es ist eine Stiftung des Farchauer Walkmüllers
Johann Friederich Schlichting. In seiner liturgischen Farbe Rot ziert
das Parament auch heute noch zu Pfingsten und an besonderen kirchlichen
Festen den Altar.
Weitere alte Paramente sind als Stiftungen aus der Zeit um 1870 in den
Farben Schwarz und Grün vorhanden. Nach 1970 wurden dann Paramente in
den Kirchenjahresfarben Weiß, Violett und Grün von der Ratzeburger
Paramentenwerkstatt angefertigt.
Herzöge und Amtmänner
Im Jahre 1720 stiftete der Ratzeburger Amtmann Levin David Rieken für
die St. Georgsberger Kirche einen hölzernen Altaraufbau. Eine
Stiftungstafel auf der Rückseite des Altars gibt darüber Auskunft. Der
große Stein des Erbbegräbnisses seiner Familie steht an der Südwand der
Kirche.
Amtmänner waren hohe fürstliche Beamte des Kurfürsten von Hannover. Der
wurde Nachfolger der lauenburgischen Herzöge, nachdem der letzte Herzog
aus dem Askaniergeschlecht Julius Franz 1698 verstorben war.
Dieser hatte 1680 für den Anbau des Turmes an die St. Georgsberger
Kirche und 1681 für das Aufhängen einer zweiten großen Glocke, der
heutigen Sterbeglocke gesorgt.
Der hölzerne Altaraufbau
Der hölzerne Altaraufbau erzählt die Heilsgeschichte in drei Episoden
von unten nach oben. Er ist im spätbarocken Ädikula Stil in Anlehnung an
den Hauptaltar der Lübecker St. Marienkirche von Th. Quellinus
gestaltet. Ein rundbogiges Mittelfeld wird von gekuppelten Freisäulen
flankiert und durch einen gebrochenen Giebel abgeschlossen. Der
Altarkörper wie die plastischen Figuren bestehen aus Lindenholz. Durch
die Bemalung wird teilweise der Eindruck von Marmor hervorgerufen.
Über dem Steintisch befindet sich ein Gemälde des letzten Mahles Jesu
mit seinen Jüngern. Markant: Johannes, der Lieblingsjünger an Jesu
Seite, sowie auf dem Tisch der Beutel mit den Silberlingen, die Judas
für seinen Verrat erhalten hatte. Merkwürdig, dass nicht nur Judas
fehlt. Auf dem Bild sind nur zehn Jünger zu erkennen!
Darüber erhebt sich die plastische Kreuzigungsszene. Maria, Jesu Mutter
und sein Lieblingsjünger Johannes stehen unter dem Kreuz. Sie werden
flankiert von den allegorischen Figuren „Glaube“ mit den Attributen
Kelch und Bibel in der Hand, sowie „Hoffnung“ mit Taube und Anker.
Die Inschrift „INRI“ oben am Kreuz, die der römische Statthalter Pontius
Pilatus wohl zur Abschreckung hat anbringen lassen, bedeutet: „Jesus von
Nazareth, König der Juden“. Darüber glänzt der goldene Strahlenkranz mit
dem hebräischen Gottesnamen „JAHWE“. Gottes Name erstrahlt über dem
grausamen Geschehen von Golgatha. Er weist hin auf den Sieg Gottes über
Sünde und Tod und auf die Auferstehung Christi.

Darüber befindet sich eine Weltkugel. Auf ihr thronen, flankiert von zwei anbetenden Engeln, Gott-Vater und – aus der Sicht des Betrachters – zu seiner Rechten Gott-Sohn. Die Macht Gottes symbolisiert das Zepter in seiner Hand. Christus hält das Kreuz als Siegeszeichen in die Höhe. Er hat den Tod überwunden. Er ist auferstanden, zum Himmel aufgefahren, sitzt nun zur Rechten Gottes und regiert mit ihm zusammen die Welt. Abgeschlossen wird diese himmlische Szenerie der Trinität durch die Taube als Symbol des Heiligen Geistes an der Decke der Kirche.

