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Ansverus
Seine Familie und seine Jugend in Schleswig
Ansverus wurde im Jahre 1038 in Schleswig geboren. Er war von
vornehmer, adliger Herkunft. Sein Vater, der sächsische Ritter Oswald,
hatte in Haithabu das Kriegsamt inne. Das bedeutete: er leitete die
militärischen Stützpunkte der sächsischen Ostkolonisation im Bereich
Schleswig. Er war ein reicher Mann mit großen Besitzungen.
Ansverus‘ Mutter, eine fromme Christin, hieß Agnetas. Sie stammte
ebenfalls aus Sachsen und erzog ihren Sohn im christlichen Glauben.
Ansverus hatte einen älteren Bruder, dessen Name nicht bekannt ist. Der
zog eines Tages mit den Wikingern auf Eroberungsfahrt in den Süden. Von
dort kehrte er nie zurück. Er blieb verschollen. Deshalb sollte Ansverus
das Kriegshandwerk erlernen, das väterliche Kriegsamt übernehmen und die
elterlichen Besitzungen erben.
Als 15-jähriger hatte Ansverus einen besonderen Traum: er sah sich als
Abt, als Vorsteher eines Klosters. Von da an wußte er, daß er einen
anderen Lebensweg einschlagen sollte, als seine Eltern für ihn planten.
Unter dem Vorwand, einen Onkel besuchen zu wollen, reiste er nach
Ratzeburg und trat dort in das Benediktinerkloster St. Georg auf dem
Berge ein.
Seine Zeit im Kloster St. Georg auf dem Berge in Ratzeburg
Im Kloster erhielt er eine theologisch wissenschaftliche Ausbildung
und lernte die Benediktinerregel. Er mußte sich zum Gehorsam, zum
Verzicht auf allen Besitz und zum ständigen Dienst in der Mission
verpflichten. Er wurde Priester und Mönch. Dabei nahm er die
Benediktinerregel so ernst, daß die anderen ihn einen Narren nannten und
sein Abt ihn zeitweise des Priesteramtes enthob. Für seine asketischen
Übungen wählte er sich einen Platz in der Nähe des Klosters. Dort
kasteite er sich an Leib und Seele. Das heißt: er aß und trank nicht,
schlug sich selbst mit einer Rute und betete oft stunden- ja nächtelang.
Diese Strenge gegen sich selbst wurde aber auch bewundert. Als der alte
Abt starb, wurde Ansverus sein Nachfolger.
Eines Tages verstieß ein Mönch gegen die Benediktinerregel. Ansverus
betete zu Gott um Rat. Da sah er eine Rute vom Himmel herabschweben.
Daraufhin vollzog Ansverus die entsprechende Strafe. Der Mönch bereute
sein Vergehen. Nach seinem Tod verwandelte sich die Rute in eine Kerze
zum Zeichen dafür, daß Gott verziehen hatte.
Vor allem aber hatten Ansverus und seine Mönche die Aufgabe der Mission.
Sie predigten den heidnischen Stämmen der Umgebung das Evangelium von
Jesus Christus. Und die, die sich überzeugen ließen, wurden in der
Kirche St. Georg auf dem Berge getauft.
Sein Märtyrertod bei Einhaus
Es ließen sich jedoch längst nicht alle Heiden bekehren. Um Ratzeburg
waren damals slawische Stämme ansässig. Sie waren aus dem Osten etwa 300
Jahre zuvor eingewandert. Sie glaubten an Fruchtbarkeitsgötter. Auf der
Ratzeburger Insel etwa verehrten sie die Göttin Siwa.
Die christlichen deutschen Stämme, vor allem die Sachsen, drangen zu der
Zeit immer mehr in dieses Gebiet ein. Viele Siedler
versuchten, sich sesshaft zu machen, die einheimischen Stämme zu
unterwerfen und zum christlichen Glauben zu missionieren. Darum kam es
immer wieder zu Aufständen der Slawen.
Im Sommer des Jahres 1066 erhoben sich die Slawen erneut gegen die
Sachsen. Zunächst wurde der Großfürst Gottschalk im Kloster Lenzen
erschlagen. Aber auch die Kirche St. Georg auf dem Berge und das daran
angebaute Kloster wurden zumindest teilweise zerstört. Am 15. Juli wurde
der Abt Ansverus mit seinen 18 Mönchen gefangen genommen und nach
Einhaus gebracht. Auf einer Anhöhe über dem Ratzeburger See, dem
Rinsberg, wurden sie gesteinigt.
Ansverus bat darum, als letzter gesteinigt zu werden, um seinen
sterbenden Brüdern beizustehen und sie vor einem Abfall vom christlichen
Glauben im letzten Moment zu bewahren. So erlitt Ansverus im Alter von
nur 28 Jahren den Märtyrertod. Seine letzten Worte waren: „Ich sehe den
Himmel offen und Christus zur Rechten Gottes. Herr Jesus, nimm meinen
Geist auf und rechne ihnen diese Sünde nicht an!“
Sein Leichnam wurde in der Ruine der Kirche St. Georg auf dem Berge wohl
unter dem Altar beigesetzt. Eine alte Steinplatte mit der lateinischen
Aufschrift „Ostium Sepulcri“ (= Eingang zum Altargrab) weist noch heute
in der Kirche darauf hin.
Seine Verehrung in Ratzeburg und Umgebung
Im Jahre 1147 wurde Ansverus von Papst Eugen III. heilig gesprochen.
Kurz zuvor ist wohl auch die Kirche St. Georg auf dem Berge im
romanischen Backsteinstil wieder aufgebaut worden. Nach Fertigstellung
des Ratzeburger Domes wurden die Gebeine des Ansverus im Jahre 1170 in
einer feierlichen Prozession in den Ratzeburger Dom überführt, wo sie
bis heute ruhen.
Mitte des 15. Jahrhunderts wurde an der vermuteten Stelle der Steinigung
des Ansverus bei Einhaus aus gotländischem Kalkstein ein Radkreuz
errichtet, auf dem ursprünglich Ansverus oder der Stifter des Kreuzes
knieend unter dem Kreuz Jesu abgebildet war. Das ist leider kaum noch zu
erkennen. Dieses Radkreuz ist bis heute als Ansveruskreuz bekannt und in
der kirchlichen Kunst mehrfach dargestellt worden.
Die Geschichte des Ansverus wurde in frommen Legenden und
Märtyrer-Liturgien ausgeschmückt. Der 15. Juli ist der Ansverusgedenktag.
Die katholische Kirche veranstaltet jedes Jahr am 2. Sonntag im
September eine Ansverus-Wallfahrt zum Ansveruskreuz. Nach der
evangelisch-lutherischen lauenburgischen Kirchenordnung von 1585 soll am
Sonntag nach Ansveri das Te Deum gesungen und des Ansverus gedacht
werden. Kirchen und kirchliche Einrichtungen sind nach Ansverus benannt
worden.
Eine Tafel aus vorreformatorischer Zeit im Altarraum des Ratzeburger
Domes stellt das Leben und den Märtyrertod des Ansverus in 12 Bildern
mit erläuternden Unterschriften dar. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt
die Figur des Ansverus in der St. Laurentius Kirche in Ziethen. In der
rechten Hand hält er drei Steine als Hinweis auf die Art seines
Martyriums.

