Kirchengemeinde St.Georgsberg
* Ev.-Luth. Kirchengemeinde St.Georgsberg * Wedenberg 9 * 23909 Ratzeburg *
 
Home | Kontakt | Impressum| Suchen | Sitemap

Allgemein | Ansichten | Orgel| Altar | Ansverus | Taufe| Türen | Glocken  | Kerzenleuchter

Ansverus

Seine Familie und seine Jugend in Schleswig

Ansverus-KreuzAnsverus wurde im Jahre 1038 in Schleswig geboren. Er war von vornehmer, adliger Herkunft. Sein Vater, der sächsische Ritter Oswald, hatte in Haithabu das Kriegsamt inne. Das bedeutete: er leitete die militärischen Stützpunkte der sächsischen Ostkolonisation im Bereich Schleswig. Er war ein reicher Mann mit großen Besitzungen.
 
Ansverus‘ Mutter, eine fromme Christin, hieß Agnetas. Sie stammte ebenfalls aus Sachsen und erzog ihren Sohn im christlichen Glauben.
 
Ansverus hatte einen älteren Bruder, dessen Name nicht bekannt ist. Der zog eines Tages mit den Wikingern auf Eroberungsfahrt in den Süden. Von dort kehrte er nie zurück. Er blieb verschollen. Deshalb sollte Ansverus das Kriegshandwerk erlernen, das väterliche Kriegsamt übernehmen und die elterlichen Besitzungen erben.
 
Als 15-jähriger hatte Ansverus einen besonderen Traum: er sah sich als Abt, als Vorsteher eines Klosters. Von da an wußte er, daß er einen anderen Lebensweg einschlagen sollte, als seine Eltern für ihn planten. Unter dem Vorwand, einen Onkel besuchen zu wollen, reiste er nach Ratzeburg und trat dort in das Benediktinerkloster St. Georg auf dem Berge ein.
 

Seine Zeit im Kloster St. Georg auf dem Berge in Ratzeburg

Im Kloster erhielt er eine theologisch wissenschaftliche Ausbildung und lernte die Benediktinerregel. Er mußte sich zum Gehorsam, zum Verzicht auf allen Besitz und zum ständigen Dienst in der Mission verpflichten. Er wurde Priester und Mönch. Dabei nahm er die Benediktinerregel so ernst, daß die anderen ihn einen Narren nannten und sein Abt ihn zeitweise des Priesteramtes enthob. Für seine asketischen Übungen wählte er sich einen Platz in der Nähe des Klosters. Dort kasteite er sich an Leib und Seele. Das heißt: er aß und trank nicht, schlug sich selbst mit einer Rute und betete oft stunden- ja nächtelang.
 
Diese Strenge gegen sich selbst wurde aber auch bewundert. Als der alte Abt starb, wurde Ansverus sein Nachfolger.
 
Eines Tages verstieß ein Mönch gegen die Benediktinerregel. Ansverus betete zu Gott um Rat. Da sah er eine Rute vom Himmel herabschweben. Daraufhin vollzog Ansverus die entsprechende Strafe. Der Mönch bereute sein Vergehen. Nach seinem Tod verwandelte sich die Rute in eine Kerze zum Zeichen dafür, daß Gott verziehen hatte.
 
Vor allem aber hatten Ansverus und seine Mönche die Aufgabe der Mission. Sie predigten den heidnischen Stämmen der Umgebung das Evangelium von Jesus Christus. Und die, die sich überzeugen ließen, wurden in der Kirche St. Georg auf dem Berge getauft.
 

Sein Märtyrertod bei Einhaus

Es ließen sich jedoch längst nicht alle Heiden bekehren. Um Ratzeburg waren damals slawische Stämme ansässig. Sie waren aus dem Osten etwa 300 Jahre zuvor eingewandert. Sie glaubten an Fruchtbarkeitsgötter. Auf der Ratzeburger Insel etwa verehrten sie die Göttin Siwa.
 
Die christlichen deutschen Stämme, vor allem die Sachsen, drangen zu der Zeit immer mehr in dieses Gebiet ein. Viele Siedler   versuchten, sich sesshaft zu machen, die einheimischen Stämme zu unterwerfen und zum christlichen Glauben zu missionieren. Darum kam es immer wieder zu Aufständen der Slawen.
 
Im Sommer des Jahres 1066 erhoben sich die Slawen erneut gegen die Sachsen. Zunächst wurde der Großfürst Gottschalk im Kloster Lenzen erschlagen. Aber auch die Kirche St. Georg auf dem Berge und das daran angebaute Kloster wurden zumindest teilweise zerstört. Am 15. Juli wurde der Abt Ansverus mit seinen 18 Mönchen gefangen genommen und nach Einhaus gebracht. Auf einer Anhöhe über dem Ratzeburger See, dem Rinsberg, wurden sie gesteinigt.
 
Ansverus bat darum, als letzter gesteinigt zu werden, um seinen sterbenden Brüdern beizustehen und sie vor einem Abfall vom christlichen Glauben im letzten Moment zu bewahren. So erlitt Ansverus im Alter von nur 28 Jahren den Märtyrertod. Seine letzten Worte waren: „Ich sehe den Himmel offen und Christus zur Rechten Gottes. Herr Jesus, nimm meinen Geist auf und rechne ihnen diese Sünde nicht an!“
 
Sein Leichnam wurde in der Ruine der Kirche St. Georg auf dem Berge wohl unter dem Altar beigesetzt. Eine alte Steinplatte mit der lateinischen Aufschrift „Ostium Sepulcri“ (= Eingang zum Altargrab) weist noch heute in der Kirche darauf hin.

Seine Verehrung in Ratzeburg und Umgebung

Im Jahre 1147 wurde Ansverus von Papst Eugen III. heilig gesprochen. Kurz zuvor ist wohl auch die Kirche St. Georg auf dem Berge im romanischen Backsteinstil wieder aufgebaut worden. Nach Fertigstellung des Ratzeburger Domes wurden die Gebeine des Ansverus im Jahre 1170 in einer feierlichen Prozession in den Ratzeburger Dom überführt, wo sie bis heute ruhen.
 
Mitte des 15. Jahrhunderts wurde an der vermuteten Stelle der Steinigung des Ansverus bei Einhaus aus gotländischem Kalkstein ein Radkreuz errichtet, auf dem ursprünglich Ansverus oder der Stifter des Kreuzes knieend unter dem Kreuz Jesu abgebildet war. Das ist leider kaum noch zu erkennen. Dieses Radkreuz ist bis heute als Ansveruskreuz bekannt und in der kirchlichen Kunst mehrfach dargestellt worden.
 
Die Geschichte des Ansverus wurde in frommen Legenden und Märtyrer-Liturgien ausgeschmückt. Der 15. Juli ist der Ansverusgedenktag. Die katholische Kirche veranstaltet jedes Jahr am 2. Sonntag im September eine Ansverus-Wallfahrt zum Ansveruskreuz. Nach der evangelisch-lutherischen lauenburgischen Kirchenordnung von 1585 soll am Sonntag nach Ansveri das Te Deum gesungen und des Ansverus gedacht werden. Kirchen und kirchliche Einrichtungen sind nach Ansverus benannt worden.
 
Eine Tafel aus vorreformatorischer Zeit im Altarraum des Ratzeburger Domes stellt das Leben und den Märtyrertod des Ansverus in 12 Bildern mit erläuternden Unterschriften dar. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt die Figur des Ansverus in der St. Laurentius Kirche in Ziethen. In der rechten Hand hält er drei Steine als Hinweis auf die Art seines Martyriums.