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Die Glocken von St.Georg auf dem Berge
Die Aufgabe der Glocken
In der Präambel der Glockenordnung vom 21. Juni 2000 heißt es: „Die Kirche weiht und verwendet Glocken zum liturgischen Gebrauch. Das Geläut bildet einen Bestandteil des gottesdienstlichen Lebens der Gemeinde. Die Glocken rufen zum Gottesdienst, zum Gebet und zur Fürbitte. Sie künden Zeit und Stunde, erinnern an die Ewigkeit und verkünden den Herrschaftsanspruch Jesu Christi über alle Welt. Sie begleiten die Glieder seiner Gemeinde von der Taufe bis zur Bestattung als mahnende und tröstende Rufer des himmlischen Vaters. Bei allgemeinen Notständen können die Glocken zusätzlich den Dienst übernehmen, Menschen zu warnen oder um Hilfe zu rufen. Auch in diesem Fall mahnen die Glocken zum Gebet.“
Die
Taufglocke von 1569
Die Kirche St. Georg auf dem Berge zu Ratzeburg ist nicht nur die
älteste Kirche des Lauenburger Landes, 1140 in der heutigen Form erbaut.
In ihr erklingt auch die wohl älteste Glocke. 1561, wenige Jahre nach
Einführung der Reformation, brannte die Kirche völlig aus. Fünf
Jahre später wurde sie unter Herzog Franz wieder aufgebaut. Sie erhielt
ein neues Dach und ein neues Gestühl. Auch wurde das Kirchenschiff auf
Kosten der Vorhalle erweitert und eine klassizistische Decke eingezogen.
In diesem Zusammenhang wollte die Gemeinde eine Glocke für ihre Kirche
anschaffen. 1569 fanden sich Stifter, die bereit waren, die Kosten zu
tragen. Ihre Namen PAWEL und ANNE SWARTE sowie IOCHIM ARP sind auf der
Glocke verewigt. Die Bronzeglocke wurde in Mecheln / Flandern auf den
Ton c‘‘ gegossen. Sie wiegt 210 Kilogramm und hat einen unteren
Durchmesser von 69 Zentimetern. Eine Schwester aus derselben Gießerei
hängt im Kloster Lüne bei Lüneburg.
Mehr als hundert Jahre lang rief diese Glocke die Gläubigen allein zum
Gottesdienst. Wo sie in der Kirche aufgehängt war, ist unbekannt. Denn
erst 1681 wurde der Turm gebaut, in dem sie seitdem zusammen mit ihrer
jüngeren Schwester Dienst tut.
Als im Laufe der Zeit noch mehr Glocken hinzukamen, verlor sie an
Bedeutung. Aus einer Glockenordnung von 1933 wird deutlich, daß sie
damals nur noch bei Begräbnissen von Kindern geläutet wurde. Wegen ihres
Alters wurde sie jedoch stets in Ehren gehalten und in den beiden
Weltkriegen vor dem Einschmelzen bewahrt.
Heute dient sie als Taufglocke. Vor jedem Tauf- und Kindergottesdienst
wird sie mit Hilfe einer Glockenmaschine aus dem Anfang des 20.
Jahrhunderts geläutet. Das Glockenseil führt über eine Rolle zu einem
Pedal, das von der Empore aus bedient wird. Die Glocke erinnert jeden
Christen an seine Taufe, daß Gott auch ihn bei seinem Namen gerufen hat
und Christus bei ihm ist bis an das Ende der Welt.
Die
Sterbeglocke von 1681
Um 1680 baute die Gemeinde im Westen an die Kirche einen kleinen Turm
in Form einer Laterne. Seine Balken, auf denen er ruht, prägen noch
heute den Vorraum der Kirche. In diesen Turm hängte man nicht nur die
alte Glocke von 1569, sondern ließ eine neue
größere
Bronzeglocke von Glockengießer Albert Benningk in Lübeck gießen.
Gestimmt ist sie auf den Ton fis‘. Ihr Gewicht beträgt 870 Kilogramm, am
unteren Rande mißt ihr Durchmesser 114 Zentimeter.
In einer aufwendigen, vier Reihen umfassenden Aufschrift werden nicht
nur der Glockengießer und das Jahr der Entstehung genannt. Der damalige
Regent HERZOG JULIUS FRANTZ wird mit allen seinen Titeln, sowie die
Namen des damaligen Pastors ISAAC LAESCHER und der Kirchenvorsteher OTTO
ANDREAS HÄUSELER, HANS WULFF, JOCHIM PRAESCHE und CLAUS SCHWARTE
werden aufgelistet.
Die Glocke hatte ein wechselvolles Schicksal. Zwar wurde sie im 1.
Weltkrieg davor bewahrt, eingezogen und eingeschmolzen zu werden wie so
viele Kirchenglocken und auch eine Glocke von 1840 aus unserer Kirche.
1942 beschlagnahmte man sie jedoch zusammen mit einer Schwesterglocke
von 1927 für Kriegszwecke. Im Gegensatz zu ihrer Schwester wurde sie
jedoch nicht eingeschmolzen, sondern kehrte nach dem 2. Weltkrieg vom
sogenannten Hamburger „Glockenfriedhof“ aus in unsere Kirche zurück.
Heute lädt sie zusammen mit den beiden Glocken von 1960 im Te-Deum
Dreiklang zu allen Gottesdiensten ein. Wenn sie alleine erklingt,
geleitet sie mit ihrem Klang ein verstorbenes Gemeindeglied zu Grabe und
mahnt die Lebenden gemäß Psalm 90: „Herr, lehre uns bedenken, daß wir
sterben müssen, auf daß wir klug werden.“
Die beiden Bronzeglocken von 1960
1960 ließ die Gemeinde zwei Bronzeglocken bei der Glockengießerei
Schilling in Heidelberg gießen, 420 bzw. 310 Kilogramm schwer und mit
Durchmessern von 88 bzw. 78 Zentimetern. Sie ergänzen mit ihren
Tönen a‘ bzw. h‘ die Sterbeglocke von 1681 zum Te-Deum-Dreiklang und
bilden mit ihr zusammen das Sonntagsgeläut.
Die größere Glocke erinnert an die Gefallenen, Kriegsopfer und Vermißten
mit der Aufschrift: „Ich gebe ihnen das ewige Leben. 1939 bis 1945.“ Die
kleinere Glocke ist den Heimatvertriebenen und Flüchtlingen gewidmet.
Auf ihr findet sich die Zusage Gottes: „Ich bin mit dir und will dich
behüten, wo du hinziehst. 1945, Jahr der Vertreibung.“
Alle vier Glocken deuten selbst ihren Dienst, indem sie entweder die
Aufschrift tragen: „SOLI DEO GLORIA!“ Oder: „Gott, dem Allmächtigen zu
Ehren!“

