Kirchengemeinde St.Georgsberg
* Ev.-Luth. Kirchengemeinde St.Georgsberg * Wedenberg 9 * 23909 Ratzeburg *
 
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Der Taufstein von St.Georg auf dem Berge

De Smilower DöpAnfänge

Wer die älteste Kirche des Lauenburger Landes, die Kirche St. Georg auf dem Berge zu Ratzeburg betritt, dem fällt neben dem Barockaltar sicher auch gleich die gewaltige Granittaufe ins Auge. Sie ist ein Hinweis auf die Anfänge: auf die Anfänge des Christentums im Lauenburgischen und auf die Anfänge des Christseins im Leben des einzelnen Menschen.
 
Die ursprüngliche Funktion unserer Kirche war die einer Missions- und damit einer Taufkirche. Von ihr und dem angrenzenden Kloster aus wurden im 11. und 12. Jahrhundert die hier ansässigen heidnischen Polaben zum christlichen Glauben bekehrt. Wenn sie diesen Glauben annahmen, ließen sie sich taufen.
 
Wir haben in den Anfängen unserer Kirche also hauptsächlich mit Erwachsenentaufen zu rechnen. Aber auch die Kindertaufe war im Mittelalter nicht zuletzt wegen der hohen Kindersterblichkeit weit verbreitet.
 
In romanischen Kirchen stand der Taufstein oft nicht im Altarraum, sondern im Westen, gleich neben dem Eingang. So wurde jeder Besucher als erstes an seine Taufe erinnert, die für jeden Menschen der Beginn seines Weges mit Jesus Christus ist. In katholischen Kirchen ist es bis heute üblich, sich am Eingang einer Kirche mit Weihwasser zu bekreuzigen zur Erinnerung an die eigene Taufe.

Die Granittaufe für Schmilau

Welcher Taufstein im 11. oder 12. Jahrhundert in unserer Kirche gestanden hat,  wo dort sein Platz war und was aus ihm geworden ist, wissen wir nicht. Eines jedoch ist sicher: Es war nicht die  Granittaufe, die heute in unserer Kirche  St. Georg auf dem Berge steht. Sie hat eine ganz besondere Geschichte hinter sich.
 
Sie war ursprünglich für die St. Lorenz Kapelle in Schmilau geschaffen worden und hat dort über Jahrhunderte ihren Dienst getan. Diese Kapelle – ursprünglich als Kirche geplant – wurde Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut. Damals wurden mehrere Kirchspiele vom ur­sprünglichen Gebiet der St. Georgsberger Kirche abgespalten und neue Kirchen errichtet. So auch in Schmilau.
 
Die neue Gemeinde umfaßte neben Schmilau auch das Ratzeburger Burgfeld, sowie die Dörfer Dermin, Römnitz, Groß und Klein Ziethen. Sie war damit auch für das ganze Gebiet zuständig, das später der Ratzeburger Stadtkirche St. Petri zugeteilt wurde.  Im 13. Jahrhundert hatte Schmilau jedoch eine größere Bedeutung an der Ost-West Durchfahrt zwischen Mölln und Ratzeburg als die Inselstadt. Und man erwartete dort eine größere Entwicklung.
 
So plante man den Bau einer stattlichen Kirche in Schmilau. Die Sakristeitür in der Nordwand des Chorraumes ist ein Beleg dafür, daß man eine richtige Kirche und keine Kapelle bauen wollte.  Daß man dann für diesen Bau aber gleich den größten heute bekannten Taufstein in Norddeutschland anschaffte, spricht für das Selbstbewußtsein der Schmilauer.    


St.Lorenz-Kapelle zu SchmilauBild links: Die St. Lorenz Kapelle zu Schmilau


Die Granittaufe besteht aus einer achteckigen Kuppa mit einem äußeren Durchmesser  von 126 cm und einer Höhe von 53 cm. Die innere Aushöhlung hat eine Tiefe von 42 cm und einen Durchmesser von 90 cm. Ihre Form ähnelt den Taufen von Hansühn und Süsel, obwohl deren Wandungen sehr viel steiler sind. Auch in Dänemark gibt es Parallelen, allerdings aus Gotländer Kalkstein, die deshalb kunstvoller ausgestaltet sind.
 

Die „Smilower Döp“ als Brunnenstein auf dem Dermin

Um 1700 findet sich unser Taufstein auf dem Dermin wieder, im Bereich der heutigen Ratzeburger Vorstadt. Wie er dort hingekommen ist, ist nicht ganz klar. Der damalige Gutsherr vom Dermin, der Landdrost von Werpup, ließ sich von italienischen Spezialisten am Hang zum Küchensee einen barocken „Lust-Garten“ anlegen. Dafür erwarb er einen Taufstein aus der Ratzeburger St. Petri Kirche. Darüber gibt es verschiedene Belege. Vielleicht kaufte er auch unseren Taufstein und nutzte ihn für seine Wasserkunst als eine Art Springbrunnen.
 
Auf jeden Fall diente die „Smilower Döp“, wie sie im Volksmund genannt wurde, als Auffangbecken für Quellwasser. Sie war ein Brunnenstein, aus dem die Bewohner des Dermin über viele Jahrzehnte ihr Trinkwasser bezogen. In einer sprichwörtlichen Redewendung sagte man in Anspielung auf die Größe des Taufsteins: „Hei drinkt ut de Smilower Döp“, wenn jemand aus einem besonders großen Gefäß trank.

Die „Smilower Döp“ in der Kirche St. Georg auf dem Berge

Der Land- und Gastwirt Friedrich Fokuhl hielt den Brunnenstein, der seine Wiese über Generationen zu einem wichtigen Mittelpunkt im Dermin gemacht hatte, hoch in Ehren. Im Frühjahr 1972 gelang es Pastor Walter Klingenberg jedoch, seine Zustimmung zu erlangen, die Taufe zu heben und der Kirche St. Georg auf dem Berge in Ratzeburg zu überlassen. Entscheidend war für ihn, daß die „Döp“ nun wieder ihrer alten Bestimmung als Taufe zugeführt werden sollte. Voraussetzung war auch ein neuer Brunnenstein für den Dermin. 
 
Seit dieser Zeit steht die „Smilower Döp“ nun in unserer Kirche und wird wieder als Taufstein genutzt. Sie hat einen neuen Fuß bekommen. Und zur leichteren Entleerung des Wassers wurde ihr auf einem eisernen Kreuz eine Messingschale zugefügt.
 
So werden in ihr wieder Generationen von Kindern und Erwachsenen getauft wie schon in den Anfängen unserer Kirche und des Christentums im Lauenburger Land. Und mit jeder Taufe beginnt für einen Menschen ein neuer Weg mit Jesus  Christus, der unter seiner Verheißung steht: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Mt.28,20)