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Der Taufstein von St.Georg auf dem Berge
Anfänge
Wer die älteste Kirche des Lauenburger Landes, die Kirche St. Georg
auf dem Berge zu Ratzeburg betritt, dem fällt neben dem
Barockaltar sicher auch gleich die gewaltige
Granittaufe ins Auge. Sie ist ein Hinweis auf die Anfänge: auf die
Anfänge des Christentums im Lauenburgischen
und auf die Anfänge des Christseins im Leben des einzelnen Menschen.
Die ursprüngliche Funktion unserer Kirche war die einer Missions- und
damit einer Taufkirche. Von ihr und dem angrenzenden Kloster aus wurden
im 11. und 12. Jahrhundert die hier ansässigen heidnischen Polaben zum
christlichen Glauben bekehrt. Wenn sie diesen Glauben annahmen, ließen
sie sich taufen.
Wir haben in den Anfängen unserer Kirche also hauptsächlich mit
Erwachsenentaufen zu rechnen. Aber auch die Kindertaufe war im
Mittelalter nicht zuletzt wegen der hohen Kindersterblichkeit weit
verbreitet.
In romanischen Kirchen stand der Taufstein oft nicht im Altarraum,
sondern im Westen, gleich neben dem Eingang. So wurde jeder Besucher als
erstes an seine Taufe erinnert, die für jeden Menschen der Beginn seines
Weges mit Jesus Christus ist. In katholischen Kirchen ist es bis heute
üblich, sich am Eingang einer Kirche mit Weihwasser zu bekreuzigen zur
Erinnerung an die eigene Taufe.
Die Granittaufe für Schmilau
Welcher Taufstein im 11. oder 12. Jahrhundert in unserer Kirche
gestanden hat, wo dort sein Platz war und was aus ihm geworden
ist, wissen wir nicht. Eines jedoch ist sicher: Es war nicht die
Granittaufe, die heute in unserer Kirche St. Georg auf dem Berge
steht. Sie hat eine ganz besondere Geschichte hinter sich.
Sie war ursprünglich für die St. Lorenz Kapelle in Schmilau geschaffen
worden und hat dort über Jahrhunderte ihren Dienst getan. Diese Kapelle
– ursprünglich als Kirche geplant – wurde Anfang des 13. Jahrhunderts
erbaut. Damals wurden mehrere Kirchspiele vom ursprünglichen Gebiet der
St. Georgsberger Kirche abgespalten und neue Kirchen errichtet. So auch
in Schmilau.
Die neue Gemeinde umfaßte neben Schmilau auch das Ratzeburger Burgfeld,
sowie die Dörfer Dermin, Römnitz, Groß und Klein Ziethen. Sie war damit
auch für das ganze Gebiet zuständig, das später der Ratzeburger
Stadtkirche St. Petri zugeteilt wurde. Im 13. Jahrhundert hatte
Schmilau jedoch eine größere Bedeutung an der Ost-West Durchfahrt
zwischen Mölln und Ratzeburg als die Inselstadt. Und man erwartete dort
eine größere Entwicklung.
So plante man den Bau einer stattlichen Kirche in Schmilau. Die
Sakristeitür in der Nordwand des Chorraumes ist ein Beleg dafür, daß man
eine richtige Kirche und keine Kapelle bauen wollte. Daß man dann
für diesen Bau aber gleich den größten heute bekannten Taufstein in
Norddeutschland anschaffte, spricht für das Selbstbewußtsein der
Schmilauer.
Bild
links: Die St. Lorenz Kapelle zu Schmilau
Die Granittaufe besteht aus einer achteckigen Kuppa mit einem
äußeren Durchmesser von 126 cm und einer Höhe von 53 cm. Die
innere Aushöhlung hat eine Tiefe von 42 cm und einen Durchmesser von 90
cm. Ihre Form ähnelt den Taufen von Hansühn und Süsel, obwohl deren
Wandungen sehr viel steiler sind. Auch in Dänemark gibt es Parallelen,
allerdings aus Gotländer Kalkstein, die deshalb kunstvoller ausgestaltet
sind.
Die „Smilower Döp“ als Brunnenstein auf dem Dermin
Um 1700 findet sich unser Taufstein auf dem Dermin wieder, im Bereich
der heutigen Ratzeburger Vorstadt. Wie er dort hingekommen ist, ist
nicht ganz klar. Der damalige Gutsherr vom Dermin, der Landdrost von
Werpup, ließ sich von italienischen Spezialisten am Hang zum Küchensee
einen barocken „Lust-Garten“ anlegen. Dafür erwarb er einen Taufstein
aus der Ratzeburger St. Petri Kirche. Darüber gibt es verschiedene
Belege. Vielleicht kaufte er auch unseren Taufstein und nutzte ihn für
seine Wasserkunst als eine Art Springbrunnen.
Auf jeden Fall diente die „Smilower Döp“, wie sie im Volksmund genannt
wurde, als Auffangbecken für Quellwasser. Sie war ein Brunnenstein, aus
dem die Bewohner des Dermin über viele Jahrzehnte ihr Trinkwasser
bezogen. In einer sprichwörtlichen Redewendung sagte man in Anspielung
auf die Größe des Taufsteins: „Hei drinkt ut de Smilower Döp“, wenn
jemand aus einem besonders großen Gefäß trank.
Die „Smilower Döp“ in der Kirche St. Georg auf dem Berge
Der Land- und Gastwirt Friedrich Fokuhl hielt den Brunnenstein, der
seine Wiese über Generationen zu einem wichtigen Mittelpunkt im Dermin
gemacht hatte, hoch in Ehren. Im Frühjahr 1972 gelang es Pastor Walter
Klingenberg jedoch, seine Zustimmung zu erlangen, die Taufe zu heben und
der Kirche St. Georg auf dem Berge in Ratzeburg zu überlassen.
Entscheidend war für ihn, daß die „Döp“ nun wieder ihrer alten
Bestimmung als Taufe zugeführt werden sollte. Voraussetzung war auch ein
neuer Brunnenstein für den Dermin.
Seit dieser Zeit steht die „Smilower Döp“ nun in unserer Kirche und wird
wieder als Taufstein genutzt. Sie hat einen neuen Fuß bekommen. Und zur
leichteren Entleerung des Wassers wurde ihr auf einem eisernen Kreuz
eine Messingschale zugefügt.
So werden in ihr wieder Generationen von Kindern und Erwachsenen getauft
wie schon in den Anfängen unserer Kirche und des Christentums im
Lauenburger Land. Und mit jeder Taufe beginnt für einen Menschen ein
neuer Weg mit Jesus Christus, der unter seiner Verheißung steht:
„Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Mt.28,20)

