Kirchengemeinde St.Georgsberg
* Ev.-Luth. Kirchengemeinde St.Georgsberg * Wedenberg 9 * 23909 Ratzeburg *
 
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Die Türen von St.Georg auf dem Berge

Offene Türen – verschlossene Türen

 
Schon auf den ersten Seiten der Bibel ist von Türen die Rede. Nach dem Sündenfall trieb Gott der HERR Adam und Eva aus dem Garten Eden und ließ die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert den Weg zum Baum des Lebens bewachen. Die Tür zum Paradies war für die Menschen verschlossen.
 
Bei der Wüstenwanderung des Volkes Israel hatten nur die Priester Zutritt zur Stiftshütte, in die Wohnung Gottes, wo die Bundeslade und die Steintafeln mit den zehn Geboten aufbewahrt wurden. Ähnlich war es später beim Allerheiligsten im Tempel von Jerusalem. Die normale Gemeinde versammelte sich im Vorhof. Die Türen zum Hause Gottes blieben für sie verschlossen.
 
Erst durch die Geburt Jesu wird die Tür zu Gott wieder geöffnet. In einem Weihnachtslied heißt es: „Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis. Der Cherub steht nicht mehr dafür. Gott sei Lob, Ehr und Preis.“ Der Zugang zu Gott ist durch Jesus wieder frei.

Die christlichen Kirchen wollen die Menschen zu Gott führen

Darum wollen alle christlichen Kirchen schon durch ihre Bauart die Menschen einen Weg zu Gott führen. Die Kirchen sind geostet. Das bedeutet: Der Altar, das Ziel des Weges, steht im Osten, Richtung Jerusalem, dem Ort der Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Die Heilsgeschichte wird auf ihm bildhaft dargestellt.
 
Die Menschen betreten die Kirche von Westen her, aus der Richtung der untergehenden Sonne, des Todes. Meist führt der Weg über den Friedhof zur Kirche. Die Menschen werden an ihre Sterblichkeit erinnert und dann den Weg vom Tod zum Leben, aus dem Bereich der Welt hin zu Gott geführt. So ist es auch in unserer Kirche St. Georg auf dem Berge.     

Die alte Bischofspforte von St. Georg

Auf diesem Wege spielen die Kirchentüren eine wichtige Rolle. Die jetzige Eingangstür im Westen unserer Kirche wird in alten Unterlagen „Bischofspforte“ genannt. Daraus kann man schließen, dass diese Tür ursprünglich nur für den Bischof und für besondere, feierliche Prozessionen und Einzüge an Festtagen geöffnet war.
 
 
Das zugemauerte SüdportalBild links: Das zugemauerte Südportal
 
Die Gemeinde benutzte normalerweise eine Tür im Süden der Kirche, die heute zugemauert ist. Auch dieser Zugang hatte einen tieferen Sinn. Die Menschen mussten sich in der Kirche umwenden, um zum Altar zu schauen. Dadurch wendeten sie sich zeichenhaft ab von der Welt und von allem, was sie von dort mitbrachten.

Zugang von Westen oder von Süden

Nach der Reformationszeit wurde die Kirche nach Westen hin um den Glockenturm erweitert. Nach Martin Luthers Lehre vom allgemeinen Priestertum aller Gläubigen konnte es keine besonderen Türen für Bischöfe oder Priester mehr geben. Der Zugang erfolgte nun für alle durch den neuen Turmraum von Westen her. 
 
Doch im Laufe der Jahrzehnte wuchs der Friedhof um die Kirche herum durch das Ausheben von Gräbern und das Bestatten von Särgen immer mehr in die Höhe, besonders im Westen. Das ist heute noch gut zu erkennen. Dadurch wurde der Zugang von Westen her immer beschwerlicher. Der direkte Weg von der Straße zur Kirchentür wurde durch einen wachsenden Erdwall blockiert.
 
Schließlich musste man die Kirchentür durch einen Holzvorbau sichern. Auf alten Bildern aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts und auch auf der Federstrichzeichnung, die als Logo unserer Kirche dient, ist dieser Vorbau deutlich zu erkennen. In ihm kam man über eine Treppe vom Niveau des Friedhofes hinab auf das Niveau des Kirchenbodens.
 
Wegen dieser Unbequemlichkeit wurde die Tür im Süden wieder geöffnet. Der normale Zutritt erfolgte wieder von dort. Es wurde vom Südportal ein Fußweg diagonal über den Friedhof zur Biegung der Straße Wedenberg angelegt. Über eine kleine Treppe gelangte man vom Friedhof zur Straße hinab. Im Jahre 1966, zum 900. Gedenktag der Steinigung des Ansverus, fertigte man oberhalb der Treppe ein schmiedeeisernes Kreuz an. Es ist dem Ansveruskreuz nachempfunden, das aus gotländischem Kalkstein in der Mitte des 15. Jahrhunderts in Einhaus, am Ort des Martyriums, aufgestellt wurde.

Die bronzene Eingangstür von 1954

Die bronzene EingangstürBei der großen Kirchenrenovierung nach dem 2. Weltkrieg im Jahre 1954 wollte man die alte Bischofspforte wieder öffnen. Man grub eine hohle Gasse durch den Friedhof, um in etwa auf ebener Fläche von der Straße zur Kirchentür zu gelangen.
 
Man beauftragte den Bildhauer und Dozenten an der Landeskunstschule Hamburg, Professor Carl Schubert, die Türe mit einem Bronzerelief künstlerisch zu gestalten. Im oberen Türbogen hat er den Ritter St. Georg, den Drachentöter, dargestellt, nach dem die Kirche benannt ist. Auf dem Hauptportal befinden sich verschiedene Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu. Als Türgriff muss sich der Verräter Judas vor jedem verbeugen, der die Kirche betritt. 
 
Erst bei der nächsten großen Kirchenrenovierung 1974 wurde das Südportal wieder zugermauert. Der Zugang zur Kirche erfolgt seitdem ausschließlich durch das Westportal. Durch den ebenerdigen Zugang sind Prozessionen und feierliche Einzüge möglich, etwa bei Konfirmationen, Hochzeiten, Einführungen von Pastoren oder Kirchenvorstehern. Und auch die Verstorbenen können in ihren Särgen in der Kirche vor dem Altar aufgebahrt und ausgesegnet und mit einem Leichenzug zum Grab auf den Friedhof geleitet werden.

Glastür mit Ansveruskreuz

Ansverus-TürBild links: Glastür mit schmiedeeisernem Ansveruskreuz von Peter Eingrüber

Im Rahmen der Kirchenrenovierung 2004 / 2005 wurde der Eingangsbereich der Kirche umgestaltet: Die Empore im Turmraum wurde zurückgebaut, der ganze Raum heller gestrichen. Vor allem wurde zwischen Vorraum und Kirchenschiff eine Glastür eingebaut, so dass der Kirchenbesucher freundlich eingeladen wird, den Weg Richtung Altar weiter zu beschreiten. Als Türgriff hat der Groß Disnacker Kunstschmied Peter Eingrüber nach alter Handwerkskunst ein schmiedeeisernes Ansveruskreuz geschaffen.
 
So wünschen wir uns, dass möglichst viele Menschen durch die offenen Türen von St. Georg auf dem Berge den Weg zu Gott finden mögen.