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Die Türen von St.Georg auf dem Berge
Offene Türen – verschlossene Türen
Schon auf den ersten Seiten der Bibel ist von Türen die Rede. Nach dem
Sündenfall trieb Gott der HERR Adam und Eva aus dem Garten Eden und ließ
die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert den Weg zum Baum des
Lebens bewachen. Die Tür zum Paradies war für die Menschen verschlossen.
Bei der Wüstenwanderung des Volkes Israel hatten nur die Priester
Zutritt zur Stiftshütte, in die Wohnung Gottes, wo die Bundeslade und
die Steintafeln mit den zehn Geboten aufbewahrt wurden. Ähnlich war es
später beim Allerheiligsten im Tempel von Jerusalem. Die normale
Gemeinde versammelte sich im Vorhof. Die Türen zum Hause Gottes blieben
für sie verschlossen.
Erst durch die Geburt Jesu wird die Tür zu Gott wieder geöffnet. In
einem Weihnachtslied heißt es: „Heut schließt er wieder auf die Tür zum
schönen Paradeis. Der Cherub steht nicht mehr dafür. Gott sei Lob, Ehr
und Preis.“ Der Zugang zu Gott ist durch Jesus wieder frei.
Die christlichen Kirchen wollen die Menschen zu Gott führen
Darum wollen alle christlichen Kirchen schon durch ihre Bauart die
Menschen einen Weg zu Gott führen. Die Kirchen sind geostet. Das
bedeutet: Der Altar, das Ziel des Weges, steht
im Osten, Richtung Jerusalem, dem Ort der Kreuzigung und Auferstehung
Jesu. Die Heilsgeschichte wird auf ihm bildhaft dargestellt.
Die Menschen betreten die Kirche von Westen her, aus der Richtung der
untergehenden Sonne, des Todes. Meist führt der Weg über den Friedhof
zur Kirche. Die Menschen werden an ihre Sterblichkeit erinnert und dann
den Weg vom Tod zum Leben, aus dem Bereich der Welt hin zu Gott geführt.
So ist es auch in unserer Kirche St. Georg auf dem Berge.
Die alte Bischofspforte von St. Georg
Auf diesem Wege spielen die Kirchentüren eine wichtige Rolle. Die
jetzige Eingangstür im Westen unserer Kirche wird in alten Unterlagen
„Bischofspforte“ genannt. Daraus kann man schließen, dass diese Tür
ursprünglich nur für den Bischof und für besondere, feierliche
Prozessionen und Einzüge an Festtagen geöffnet war.
Bild
links: Das zugemauerte Südportal
Die Gemeinde benutzte normalerweise eine Tür im Süden der Kirche, die
heute zugemauert ist. Auch dieser Zugang hatte einen tieferen Sinn. Die
Menschen mussten sich in der Kirche umwenden, um zum Altar zu schauen.
Dadurch wendeten sie sich zeichenhaft ab von der Welt und von allem, was
sie von dort mitbrachten.
Zugang von Westen oder von Süden
Nach der Reformationszeit wurde die Kirche nach Westen hin um den
Glockenturm erweitert. Nach Martin Luthers
Lehre vom allgemeinen Priestertum aller Gläubigen konnte es keine
besonderen Türen für Bischöfe oder Priester mehr geben. Der Zugang
erfolgte nun für alle durch den neuen Turmraum von Westen her.
Doch im Laufe der Jahrzehnte wuchs der Friedhof um die Kirche herum
durch das Ausheben von Gräbern und das Bestatten von Särgen immer mehr
in die Höhe, besonders im Westen. Das ist heute noch gut zu erkennen.
Dadurch wurde der Zugang von Westen her immer beschwerlicher. Der
direkte Weg von der Straße zur Kirchentür wurde durch einen wachsenden
Erdwall blockiert.
Schließlich musste man die Kirchentür durch einen Holzvorbau sichern.
Auf alten Bildern aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts und auch auf der
Federstrichzeichnung, die als Logo unserer Kirche dient, ist dieser
Vorbau deutlich zu erkennen. In ihm kam man über eine Treppe vom Niveau
des Friedhofes hinab auf das Niveau des Kirchenbodens.
Wegen dieser Unbequemlichkeit wurde die Tür im Süden wieder geöffnet.
Der normale Zutritt erfolgte wieder von dort. Es wurde vom Südportal ein
Fußweg diagonal über den Friedhof zur Biegung der Straße Wedenberg
angelegt. Über eine kleine Treppe gelangte man vom Friedhof zur Straße
hinab. Im Jahre 1966, zum 900. Gedenktag der Steinigung des
Ansverus, fertigte man oberhalb der Treppe
ein schmiedeeisernes Kreuz an. Es ist dem
Ansveruskreuz nachempfunden, das aus gotländischem Kalkstein in der
Mitte des 15. Jahrhunderts in Einhaus, am Ort des Martyriums,
aufgestellt wurde.
Die bronzene Eingangstür von 1954
Bei
der großen Kirchenrenovierung nach dem 2. Weltkrieg im Jahre 1954 wollte
man die alte Bischofspforte wieder öffnen. Man grub eine hohle Gasse
durch den Friedhof, um in etwa auf ebener Fläche von der Straße zur
Kirchentür zu gelangen.
Man beauftragte den Bildhauer und Dozenten an der Landeskunstschule
Hamburg, Professor Carl Schubert, die Türe mit einem Bronzerelief
künstlerisch zu gestalten. Im oberen Türbogen hat er den Ritter St.
Georg, den Drachentöter, dargestellt, nach dem die Kirche benannt ist.
Auf dem Hauptportal befinden sich verschiedene Szenen aus der
Leidensgeschichte Jesu. Als Türgriff muss sich der Verräter Judas vor
jedem verbeugen, der die Kirche betritt.
Erst bei der nächsten großen Kirchenrenovierung 1974 wurde das Südportal
wieder zugermauert. Der Zugang zur Kirche erfolgt seitdem ausschließlich
durch das Westportal. Durch den ebenerdigen Zugang sind Prozessionen und
feierliche Einzüge möglich, etwa bei Konfirmationen, Hochzeiten,
Einführungen von Pastoren oder Kirchenvorstehern. Und auch die
Verstorbenen können in ihren Särgen in der Kirche vor dem Altar
aufgebahrt und ausgesegnet und mit einem Leichenzug zum Grab auf den
Friedhof geleitet werden.
Glastür mit Ansveruskreuz
Bild
links: Glastür mit schmiedeeisernem Ansveruskreuz von Peter Eingrüber
Im Rahmen der Kirchenrenovierung 2004 / 2005 wurde der
Eingangsbereich der Kirche umgestaltet: Die Empore im Turmraum wurde
zurückgebaut, der ganze Raum heller gestrichen. Vor allem wurde zwischen
Vorraum und Kirchenschiff eine Glastür eingebaut, so dass der
Kirchenbesucher freundlich eingeladen wird, den Weg Richtung Altar
weiter zu beschreiten. Als Türgriff hat der Groß Disnacker Kunstschmied
Peter Eingrüber nach alter Handwerkskunst ein schmiedeeisernes
Ansveruskreuz geschaffen.
So wünschen wir uns, dass möglichst viele Menschen durch die offenen
Türen von St. Georg auf dem Berge den Weg zu Gott finden mögen.

