Glaubens-ABC
"Gebet"
Gebet
ist Gespräch mit Gott! Grundlage des Gebetes ist der Glaube, dass der
Mensch in und vor einer größeren Wirklichkeit lebt – nämlich Gott, in
der er aufgehoben ist und die ihm helfen kann. Im Gebet überschreitet
der Mensch sein Ich und die Grenzen seines Verstehens. Es ist Ausdruck
von Freiheit, Offenheit und Verantwortung für sein Tun und Lassen.
Einzelheiten des Lebens werden im Gebet erinnert und in den Zusammenhang
des Glaubens gebracht. Durch Beten gewinnt mancher Abstand von sich
selbst und vom Druck der Situation. Er sammelt Kraft und pflegt auf
diese Weise langfristig Wünsche und Bedürfnisse, die zunächst
unerfüllbar erscheinen. Der Beter findet sich nicht mit der Wirklichkeit
ab, sondern er glaubt, dass Gott in dieser Welt wirken kann.
So dient das Gebet auch der Vorbereitung, Ausrichtung und Reflexion des
Handelns.
Gebet ist realistisch, weil der Mensch darin unterscheidet zwischen dem,
was er selbst tun kann, und dem, was nicht in seiner Macht steht. Jesus
hat zum Gebet ermutigt (»Bittet, so wird euch gegeben«, Matthäus 7,7).
Aber daraus lässt sich kein Anspruch auf Erfüllung aller Gebete
ableiten: Manchmal sehen eben Gebetserhörungen anders aus, als wie wir
Menschen es uns wünschen, denn Gott versteht sich nicht als unser
Erfüllungsgehilfe.
Im Gebet drückt sich aus, dass wir die Verbindung zu Gott brauchen.
Gebet ist keine Einbahnstraße, sondern Gott nutzt sein Wort – die Bibel
-, Ereignisse, Menschen und Situationen dafür, dem betenden Menschen zu
antworten.
Gebet kann viele Formen haben, von der kurzen, spontan selbst
formulierten Bitte (sog. »Stoßgebet«) bis hin zu längeren und durch
Gebrauch bekannten Gebeten, still für sich oder in Familie, Kirche und
Gruppen, laut und zusammen mit anderen. In feststehenden Formeln können
Beter sich mit anderen treffen und sich selbst mit ihren eigenen
Anliegen einbringen.
Zum Anlass und Inhalt des Betens kann alles werden: Bitte um kleine und
große Dinge, für andere und für alle, Dank, Gedenken, Klage, Bekenntnis,
Frage, Antwort, Zugeben von Schuld, Staunen, Lob, Anerkennung.
Als Vorlage für Gebete dienen das Vaterunser, Psalmen und Liederverse,
Bücher mit Gebeten für besondere Situationen und Altersstufen, vom
einfachen Kindergebet bis zur kunstvollen Dichtung.
Die Fähigkeit zu beten wird am besten zusammen mit anderen (z.B. den
Eltern) als Kind gelernt, aber auch später kann es eingeübt werden - von
allen, die sich Gott als ein wahrhaftiges Gegenüber vorstellen, das zu
dem Menschen in Beziehung steht.
Feste Zeiten oder Regeln haben sich als hilfreich erwiesen (z.B. am
Morgen oder Abend, beim Essen oder zu Beginn einer Reise).
Unterschiedliche Gebetshaltungen (z.B. Hände falten oder gen Himmel
strecken, knien oder stehen etc.) sind möglich. Dieses muss sich
vielmehr immer wieder neu aus dem ergeben, woraus der Glaube lebt.
Wer den Wert des Gebetes für sich erfahren hat, wird andere dazu
einladen oder teilnehmen lassen … und er wird erfahren, dass Gott ein
lebendiger Gott ist, der seine Menschenkinder so sehr liebt, dass er
Jesus Christus für sie dahin gegeben hat, damit sie frei werden.

