Glaubens-ABC
"Kerzenleuchter"
(hm)
Schon bei der Wüstenwanderung der Israeliten nach Erhalt der 10 Gebote
am Sinai forderte Gott das Volk auf, neben der Stiftshütte für die
Bundeslade mit den Steintafeln der Gebote auch einen goldenen Leuchter
zu schaffen. (2. Mose 25) Er erinnerte mit seinen sechs Armen an den
Lebensbaum des Paradieses. Später im Tempel von Jerusalem wurde er dort
als siebenarmiger Leuchter aufgestellt, die so genannte Menora. Sie
symbolisiert Gott als Leben spendendes Licht. Die sieben Arme stehen für
die sieben Schöpfungstage.
Die Christen übernahmen die Lichtsymbolik der Juden, übertrugen sie
jedoch auf Jesus Christus. Denn der hatte von sich selbst gesagt: „Ich
bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der
Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh.8,12) In
vielen Kirchen gibt es das Osterlicht, eine Kerze, die in der Osternacht
entzündet wird und auf die Auferstehung und das ewige Leben hinweist. In
unserer Kirche steht sie neben dem Altar. An ihr werden die Taufkerzen
entzündet.
In unserer Kirche stehen normalerweise zwei Kerzen auf dem Altar, die an
Jesus Christus erinnern, der in der Predigt verkündigt und im Gebet
angerufen wird. Wird jedoch Abendmahl gefeiert, stehen vier Kerzen auf
dem Altar. Sie weisen darauf hin, dass Jesus Christus nun auch in Brot
und Wein unter uns gegenwärtig ist.
Für unsere Kirche wurde anlässlich der Wiedereinweihung ein neuer,
schmiedeeiserner Leuchter gestiftet und von dem Kunstschmied Peter
Eingrüber aus Groß Disnack gefertigt. In der Mitte trägt er die große
Kerze, die Jesus Christus als Licht der Welt darstellt. Sie wird umgeben
von einem Kranz mit 24 kleinen Kerzen. Der Kranz symbolisiert die Welt,
deren Mittelpunkt und Lebensquelle Jesus Christus ist. Die 24 Kerzen
fügen die 12 Stämme Israels und die 12 Apostel, das Alte und das Neue
Testament zusammen. Der ganze Leuchter hat die Form des Ansveruskreuzes,
das an die Steinigung dieses Abtes und seiner Klosterbrüder im Jahre
1066 erinnert. Er steht neben dem Ansverusstein, der früher wohl das
Grab des Ansverus in unserer Kirche angezeigt hat. So wird deutlich:
Jesus Christus als Licht der Welt umfasst und erhellt alles:
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; Freud und Leid; Leben und Tod.
Auch wir dürfen uns ihm anvertrauen mit allem, was uns bewegt und auf
ihn als Licht auch unseres Lebens hoffen. Als Zeichen dafür können wir
eine Kerze an diesem Leuchter entzünden.

